Rheinische Post vom 02.08.2021
Text: Christos Pasvantis
Foto: THW Erkelenz
Hückelhoven Weil die zuständige Behörde zu lange braucht, könnte der Hückelhovener Ortsverband, der in der Flutkatastrophe Dauerarbeit leistet, zum 1. Januar auf der Straße stehen. Es gibt zwei mögliche Optionen, doch die Zeit drängt.
Seit mittlerweile knapp drei Wochen befindet sich der Hückelhovener Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) wegen der Hochwasserkatastrophe im Dauereinsatz. Zunächst vor der eigenen Haustür, in Ratheim, wo die Helfer das bis zu zwei Meter hoch stehende Wasser abpumpen mussten. Danach in Bad Münstereifel, einem der Orte, den die Flut ganz besonders getroffen hat. Mehr als 5500 ehrenamtliche Einsatzstunden haben 42 Helfer seit Mitte Juli geleistet. Als eine von nur zwölf Gruppen in ganz NRW haben sich die Hückelhovener THW-Leute auf das Abstützen von einsturzgefährdeten Gebäuden spezialisiert und sind damit gerade jetzt so wichtig wie nie. Im Süden NRWs und in Rheinland-Pfalz droht schließlich ganzen Ortsteilen die Unbewohnbarkeit. Dem Hückelhovener THW selbst droht derweil zum Jahresende im schlimmsten Fall die Obdachlosigkeit. Der Mietvertrag auf dem jetzigen Gelände in Ratheim läuft zum 31. Dezember aus. Eine neue bleibe gibt es bislang noch nicht.
„Stand jetzt wissen wir noch nicht, wo wir ab Januar hin sollen“, sagt der Ortsbeauftragte Ulrich Essers. Schon seit Dezember 2019 haben der Leiter und seine Kollegen schriftlich, dass sie Ende 2021 aus dem maroden Gebäude an der Millicher Straße rausmüssen. Getan hat sich bei der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die für die Liegenschaftsverwaltung von Organisationen wie dem THW verantwortlich ist, allerdings wenig. „Dass wir langfristig nicht in diesem Gebäude bleiben können, das wussten wir schon seit vielen Jahren, das haben wir auch frühzeitig kommuniziert. Passiert ist allerdings gar nichts, und jetzt muss es plötzlich schnell gehen“, sagt Essers.
Seitens der Behörde seien für einen Standort zunächst einige Vorschläge gemacht worden, die für einen ehrenamtlichen Verein wie das THW nicht umsetzbar gewesen seien – etwa ein Umzug nach Heinsberg oder in den Kreis Düren. „Wir sind ein Verein, der fest in Hückelhoven verwurzelt ist. Wir haben alle noch Jobs und machen die Arbeit hier freiwillig. Von uns kann doch niemand verlangen, dass wir in eine andere Stadt ziehen“, sagt Ulrich Essers.
Mittlerweile hat sich die Bima immerhin auf zwei mögliche Standorte in Hückelhoven festgelegt. Der eine ist das Gelände der Waschkaue, ein ehemaliges Bergbaugebäude auf dem Zechenring in Ratheim. Die andere Option ist eine Liegenschaft in Baal. Dort sitzt gerade noch eine andere Firma, zudem müsste eine Halle abgerissen und ein anderes Gebäude umgebaut werden. „Da könnten wir allerfrühestens in zwei Jahren einziehen“, sagt Essers, der dennoch befürchtet, dass sich die Behörde aus Kostengründen für diese Alternative entscheidet. Dann könnte es darauf hinauslaufen, dass das THW für die Zwischenzeit in einem Bürogebäude unterkommt – ohne seine zahlreichen Gerätschaften, die, so ein Vorschlag, in einer Halle in Mönchengladbach abgestellt werden könnten. Ein solches Szenario wäre für den Ortsverband ein Tiefschlag, wie Ulrich Essers erklärt: „Wenn wir jetzt für mindestens zwei Jahre kein Zuhause mehr hätten, wäre das unser Tod.“
Deutlich attraktiver scheint dem Verein daher die Alternative Waschkaue zu sein. Das Areal gehört einem niederländischen Investor, ist seit Jahren unbenutzt. Es verfügt bereits über ein leerstehendes Bürogebäude, der große Rundbau würde zudem mehr als genug Platz liefern, um Geräte und Großfahrzeuge zu lagern. Das Gelände könne in acht Monaten bezugsfertig gemacht werden, das THW müsse also nur eine kurze Zeit in einer Notunterkunft unterkommen.